Archive for the 'Widerlich' Category

#Politik: Happy Birthday!

Wenn man Chef der Deutschen Bank ist, kann man seinen Geburtstag schon mal bei guten Freunden feiern. Im Kanzleramt etwa.

Details, wie etwa der fortlaufende Gewinnwahn und 25%-Rendite-Denken sind dabei nicht störend. Als armer Banker achtet man jedoch peinlich genau darauf, keine unnötigen Kosten zu verursachen. So eine Geburtstagsfeier lässt man sich dann lieber von den dummen Steuerzahlern bezahlen – sind ja reine Peanuts. Als Dank diktiert man dann der Kanzlerin das Bankenrettungspaket.

Das Pack macht es noch nicht mal heimlich. Boah, sind die selbstsicher.

#Medien: Der Komplettausfall

Über den Berliner Bezirk Marzahn kann man sicherlich ganz viele verschiedene Dinge sagen, aber Wolf-Dieter Poschmann aus Köln, seines Zeichens ZDF-Sportmoderator der unerträglichen Sorte, hat den kompletten Vogel abgeschossen: Wer in Marzahn aufgewachsen sei, sei zu allem fähig, so seine Aussage am Samstag bei der Live-Übertragung von der Leichtathletik-WM.

Um es kurz zu sagen: Diese Art von Entgleisung zeigt deutlichst auf, woher Herr Poschmann kommt, wo er noch nie war, und das er als Sportmoderator schlichtweg inkompetent und untragbar ist.

Ich selbst bin im Berliner Bezirk Marzahn aufgewachsen, habe dort von 1983 bis 1996 gewohnt, die Schule besucht und den rauen Alltag gemeistert. Tatsächlich ist es einer der ärmeren Bezirke Berlins, er ist sicher nicht überall schön und er hat in jedem Fall auch Gegenden, in denen man Nachts besser nicht allein unterwegs ist. Aber er ist garantiert nicht weniger liebens- und lebenswert als andere Bezirke.

Woher Herr Poschmann sein Marzahn-Bild hat, ist mir allerdings – anders als vielen anderen Zeitgenossen – schon klar, und zwar aus eigener Erfahrung, denn bereits kurz nach der Wende haben deutsche Medien (speziell auch das ZDF) Marzahn als einen der Problembezirke Berlins und als besonders gefährliche Gegend dargestellt.

Als Schüler wurde ich (mit anderen Mitschülern zusammen) etwa von einem Team der ZDF-Sendung “Kennzeichen D” einen Tag lang begleitet, es wurden durchaus längere Interviews mit uns über den Bezirk Marzahn und unser Leben dort geführt – es sollte ein differenzierter(er) Bericht werden. Das Ergebnis? Die Reporterinnen rissen einzelne Statements aus dem Zusammenhang und vermittelten so den Eindruck, das der Bezirk nicht lebenswert, gefährlich und unwirtlich sei. Auch andere Medien verfuhren ähnlich.

Also, es ist schon klar, woher Herr Poschmann sein Bild von Marzahn hat. Unklar jedoch ist, woher er seine Blasiertheit nimmt, warum er trotz seines unerträglichen Moderationsstils weiterhin auf Sendung bleibt und wieso das ZDF verzweifelt versucht, den Fauxpas des Herrn Poschmann als Scherz darzustellen.

Andererseits wirft es einen bezeichnenden Blick auf unsere Medienlandschaft. Und auf den Zustand der Mauer in den Köpfen.

#Politik: Kommt, nehmt alles (II)!

Eigentlich hätte es mich ja auch wirklich gewundert. Nein, anders: Es hat mich gewundert. Nämlich das unsere Eurokraten so mir nichts, dir nichts die kompletten Kontobewegungen der EU-Bürger an die US-Amerikaner rausrücken. Jetzt weiß ich, das die natürlich noch viel mehr als die Amis im Schilde führen.

Wie heise online berichtet, existiert bereits seit Januar 2009 eine Gesetzesvorlage, die es den "zuständigen Behörden" erlauben soll, "auf Online-Rechnungen von Bürgern und Firmen in anderen EU-Staaten zuzugreifen, sie herunterzuladen und zu ‘benutzen’". Im Klartext: Elektronischer Zahlungsverkehr, direkt vor Ort abgehört und überwacht. Und elektronische Durchsuchung, denn irgendwie muss man ja an die Daten ran kommen.

Wer nun aber erwartet, das unsere Bundesregierung sich auf die Hinterbeine stellt, wie sie das sonst gerne (pro forma) macht, wenn die EU in die Rechte Deutschlands eingreifen möchte, der irrt. Bisher prüfe die Bundesregierung, so heise online, denn der "Abbau von Bürokratiekosten" und die "Bekämpfung von Umsatzsteuerbetrug" seien "gleichwertige Ziele".

Ist aber auch klar: Umsatzsteuerbetrug (der natürlich von uns allen ständig begangen wird) ist ein Delikt, das es rechtfertigt, sämtliche Computer von EU-Bürgern durch "zuständige Behörden" (ich bekomme das kalte Grausen, wenn ich das höre – klingt für mich wie Stasi 2.0) durchsuchen zu lassen. Wozu haben wir denn den Bundestrojaner? Eigentlich könnte man das doch auch Richtung Anti-Kinderporno-Kampf einsetzen – am Besten bei all den doofen Netzaktivisten, die sind ja eh alle immer online.

Oh je, ich befürchte, da werden Tatsachen geschaffen. Aber am 27.09. können wir wählen (wer weiß, wann wir das wieder können).

Politik: Noch bessere Netzsperre

Die EU setzt unserer Filterliste noch die Krönung auf, denn sie plant eine Verordnung, die es erlaubt, das Internet in Paketen anzubieten – und was man nicht gebucht hat, sieht man nicht.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Zukünftig soll es möglich sein, dass Zugangsanbieter (die ja auch schon mal Kundendaten an das BKA weitergeben) das Internet portioniert anbieten können. Das klingt harmlos (wenn auch völlig sinnlos), bedeutet aber, dass man das Internet nur noch in Paketen kaufen kann. In diesen Paketen sind dann bestimmte Abrufkontingente für bestimmte Dienste drin – und wenn ich z.B. Premiere anschaue, dann weiß ich schon, wie das aussehen wird: Es wird ein Standard-Paket geben, ein Family-Paket, ein Sport-Paket, etc. In jedem dieser Pakete sind bestimmte Webseiten aktiviert, andere nicht (wird wahrscheinlich unter dem “Kinderschutz”-Label verkauft werden).

Das kann dann in der Konsequenz dazu führen, dass etwa im Standard-Paket nur noch “Meinungsführer” wie etwa SPIEGEL ONLINE, die BILD-Zeitung oder andere Vertreter vertrauenswürdiger Publikationen drin sind. Andere Webseiten wären nur eingeschränkt oder gar nicht mehr aufrufbar. Um die zu nutzen, müsste man beispielsweise das Premium-Paket buchen oder zu einem anderen Anbieter wechseln. Analoges gilt dann für FileSharing, Tunneling und andere potentiell verdächtige Dinge.

Im besten Fall führt dies zu einer Gewinnmaximierung der Provider (wofür eigentlich?), im schlechtesten Fall dazu, dass sich nur noch Besserverdiener ein wirklich freies Internet leisten können.

Mehr Informationen gibt es u.a. bei http://www.blackouteurope.eu/lang/deutsch/main.html. Fürs Protokoll: Das muss nicht passieren, aber mit der neuen Verordnung kann es geschehen.

Ach, die freie und unabhängige Presse hat darüber nicht berichtet?

Oooopsi. Warum wohl nicht?

Politik: Bananenrepublik

PriceWaterhouseCooper (PWC) hat einen eigenen Mitarbeiter im Wirtschaftsministerium. Der Mitarbeiter ist einerseits als Referent im Ministerium von KTvG, andererseits als Senior Consultant bei der Prüfungsgesellschaft tätig – und kann so Einfluss auf Auftragsvergaben aus dem Ministerium u.a. an seinen Arbeitnehmer nehmen. (via)

Direkt nach Beschluss des Zensurgesetzes Kinderpornographie-Gesetzes geschieht genau das, was jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand gewusst hat: Es sollen nunmehr auch Sperren gegen Urheberrechtsverletzungen und gegen ausländische Glücksspielanbieter eingerichtet werden, fordern Vertreter des Buchhandels und der hessischen Landesregierung. (via)

Das mit der Sperre gegen ausländische Glücksspielanbieter wird aber nix werden, das hat Zensursurla bereits im letzten Jahr erfolgreich verhindert. Warum? Ihr Bruder ist Chef eines ausländischen Glücksspielanbieters… (via)

POLITIK: Eine Strafbarkeit…

“…liege schon in dem Moment vor, wenn nicht nachgewiesen werden könne, dass es sich um ein Versehen oder eine automatische Weiterleitung gehandelt habe.” (Brigitte Zypris, Bundesjustizministerin!)

Das ist schlichtweg die Abschaffung der Unschuldsvermutung.

via

POLITIK: Bad Bank – oder wer bezahlt das eigentlich?

Die Kollegen Steinbrück und KTzG haben einen neuen Vorschlag: Banken sollen eine Bad Bank gründen können und dort ihre Papiere einbringen dürfen. Der Staat gibt Bürgschaften und hält sich ansonsten raus.

Ziel dieser Idee: Die Banken werden ihre “giftigen” Papiere los, sie vertrauen einander wieder mehr und das Geld- und Kreditgeschäft kommt wieder in die Gänge.

Ich übersetze diesen Vorschlag mal kurz ins Deutsche: Die Banken gründen jeweils Zweckgesellschaften und übertragen auf diese Zweckgesellschaften die hochspekulativen und riskanten Papiere, die uns alle erst in diese Finanzkrise gebracht haben. Anschließend gibt der Staat Bürgschaften – er steht also dafür ein, dass die Zweckgesellschaften und die Banken nicht pleite gehen. Nach fünfzehn bis zwanzig Jahren werden die Zweckgesellschaften successive liquidiert – es sei denn, die Bank ist dann doch vorher schon pleite gegangen, aber dann greift ja die Bürgschaft und die Gläubiger und Geschäftspartner der Bank bekommen ihr Geld.

Nun könnte man vermuten, dass der Staat Anteile an den Banken als Gegenleistung für seine Sicherheiten erhält. Diese Anteile könnten dann auch Gewinne bringen, wenn die Banken wieder Gewinne machen würden (was sie recht schnell tun dürften, denn die wertlosen Papiere wären ja aus der Bilanz).

Dem ist aber nicht so. Der Staat hält keine Anteile. Der Staat sichert nur ab. Oder, wie ein Politiker (ja, ich weiß, Politikern sollte man nicht trauen) so richtig sagte: Die Gewinne werden privatisiert, die Risiken auf die Gesellschaft abgewälzt. Wieviel uns das kostet, sehen wir dann in zwanzig Jahren.

Mal abgesehen davon, dass man kotzen könnte, stellt sich eine weitere Frage: In wessen Interesse handeln Steinbrück, KTzG und die Bundesregierung eigentlich?

Entscheidung folgt.

AUA: Zensiert!

So, ab heute haben wir den Salat: Deutschland führt die Internetzensur ein. Merkt euch dieses Datum, ihr werdet später euren Kindern noch dafür Rede und Antwort stehen müssen.

Falls es jemand noch nicht mitbekommen hat: Es geht vordergründig um den Schutz vor Kinderpornographie. Ich bin selbst Vater und stehe voll und ganz dahinter, dass man Kinderpornographie, deren Herstellung, Verbreitung und Konsumierung verhindern muss. Die Konsumenten und auch die Anbieter gehören vor ein ordentliches Gericht gestellt und wenn sie schuldig sind, gehören sie verurteilt und weggesperrt.

Das vorweggeschickt, wurde heute vom Kabinett ein Gesetzesentwurf von Ursula von der Leyen verabschiedet, der technische Sperrmaßnahmen gegen den Konsum von Kinderpornographie vorsieht. Vordergründig jedenfalls.

Tatsächlich sieht es inhaltlich und auch technisch wie folgt aus:

Die Sperrliste, die genutzt werden soll, wird vom BKA erstellt. Diese Liste wird dann den Providern zugestellt, die ihrerseits dafür sorgen sollen, dass die entsprechenden Webseiten nicht mehr aufrufbar sind. Leider ist es jedoch so, dass mit Hilfe von Proxy-Servern, freien DNS-Servern oder auch VPN-Verbindungen (etwa HotspotShield, auch kommerzielle Lösungen) die entsprechenden Sperren ohne einen Funken technischer Ahnung umgangen werden können, was auch den Herrschaften in den diversen beteiligten Gremien und Ministerien klar sein muss. Und der Zielgruppe ohnehin.

Zweiter Aspekt: Die allermeisten Server, auf denen sich Kinderpornographie befinden soll, stehen in den westlichen Ländern, in denen Kinderpornographie ohnehin strafbar ist. Man benötigt also keine Filterliste, um diesen Kram aus dem Netz zu bekommen.

Drittens: Es wird unterstellt, dass es eine große und funktionierende Industrie rund um Kinderpornographie gibt, sonst würde ja eine Filterliste keinen Sinn machen. Seit der Operation Mikado vor einigen Jahren jedoch muss jedem Anbieter und Konsumenten klar sein, dass es über das Internet kommerziell nichts mehr zu holen gibt, denn die Möglichkeiten der Abgleichung von Personen- und Kreditkartendaten (oder von PayPal-Zahlungen, oder oder oder) sind schon lange gegeben. Und: Ob es so eine Industrie jemals gab, ist ohnehin fraglich.

Viertens: Im Grunde wird jeder Deutsche unter Generalverdacht gestellt, sonst würde ja eine derartige Liste keinen Sinn mehr machen. Wenn es nur einige tausend Menschen wären (was schlimm genug ist!), die über das Internet Kinderpornos konsumieren würden, dann wäre eine derartige Liste bei Millionen und Abermillionen von Internetnutzern komplett sinnlos und völlig überdimensioniert.

Fünftens: Schon der Verweis auf kinderpornographische Seiten und auf Seiten, die Verweise auf diese Seiten bereitstellen, ist strafbar. Klingt harmlos, führt aber dazu, dass man sich bereits strafbar macht, wenn man beispielsweise nur die Liste über Mittelsmänner bekommt und ins Internet stellt (Stichworte: Kontrolle und Mitbestimmung).

Wir halten also bis hierher fest: Die Liste ist technisch leicht zu umgehen und macht auch sonst keinen Sinn. Die Liste von vom BKA bereitgestellt und ist nur den Providern zugänglich, also vom Volk auch nicht kontrollierbar und darf auch nicht veröffentlicht werden.

Dann stellen wir mal die Frage nach dem dahinter liegenden Gedanken. Worum geht es also bei der Einführung dieser Filter?

Es geht um Kontrolle und Zensur

Die Antwort ist erschreckend und liegt doch auf der Hand: Es geht um die Kontrolle des Internets und um Zensur. Es ist wirklich so einfach.

Mit der Liste und den zugehörigen rechtlichen Vorschriften erhalten Politik und Strafverfolgungsbehörden die Möglichkeit, bestimmte Inhalte vor dem gewöhnlichen Deutschen einfach auszublenden. Das geht heute mit (angeblicher) Kinderpornographie los und wird morgen auf bedenkliche politische Inhalte und irgendwann einfach auf kritische und andersdenkende Stimmen übergreifen. Das ist keine Frage, das wird so passieren – allein schon deshalb, weil es außerhalb von BKA (und Regierung) keine Kontrollinstanz geben wird. Da entscheiden ein paar Wenige, was wir sehen und lesen dürfen.

Weiterhin gibt es einen Generalverdacht: Wer versucht, die Filterung und Sperrung zu umgehen, der macht sich verdächtig. Wie schnell das geht, kann man zum Beispiel hier nachlesen:

Kundenanfrage vom 09.04.2009 19:42

Hinweis zur Bearbeitung: Hallo Herr Hxxx, hat er Recht
oder ist er nur ein potenzieller Nutzer der demnächst
gesperrten Seiten, der nun maulig wird? Bitte um Prüfung
oder Weiterleitung. Vielen Dank und frohe Ostertage! Anja
Hxxx, VCS Uelzen

Potentieller Nutzer = Potentieller Straftäter. Plus eine interessante Formulierung: “Hat er Recht oder ist er ein potentieller Nutzer”. Sehr schön.

Daneben gibt es einen weiteren charmanten Nebeneffekt: Man erhält ein wundervolles Totschlagargument: Die Webseite dieser Person / Vereinigung / Gruppierung steht auf der Sperrliste, also müssen die Inhalte dort per se ungesetzlich sein – sonst würden sie ja nicht draufstehen. Mag sein, dass der technisch und / oder politisch gebildetere Zeitgenosse das noch kritisch hinterfragt, aber Otto Normalverbraucher steht ohnehin ja schon auf dem Standpunkt, dass derjenige, der nichts zu verbergen hat, ja auch nichts zu befürchten habe. Das ist ganz einfach ein Argument, gegen das man nicht anstinken kann. Die da oben werden schon wissen, was richtig und was falsch ist.

Der Fall wikileaks.de

Unwahrscheinlich, dass es so kommt? Sicher?! Ich verweise nur mal auf den Fall wikileaks.de, bei dem genau das in abgeschwächter Form angewandt ist: Es gab eine Hausdurchsuchung unter dem Verdacht der Förderung von Kinderpornographie. Grund: Unter wikileaks.de ist die australische Filterliste einsehbar (nebenbei sollte man sich die tatsächlich mal zu Gemüte führen, da sind neben diversen Pornoseiten nämlich auch Abtreibungsgegner und regierungskritische Organisationen drauf). Natürlich wurde nichts gefunden und der Domaininhaber konnte auch keinen Zugang auf einen Server gewähren, der ihm nicht mal gehört – aber er ist jetzt stigmatisiert: Alle Welt denkt, wenn sie wikileaks.de hört, an Kinderpornographie. Zukünftig geht das, wie gesagt, noch um einiges einfacher.

Zusammenfassung bis zu dieser Stelle: Die Liste ist technisch wirkungslos, dient potentiell der Zensur und kann wundervoll als Totschlagargument dienen.

Jetzt setzen wir das Ganze nochmal in den Ausgangskontext: Wir haben ein Gesetz über die Sperrung von Webseiten (und von Webseiten, die auf gesperrte Webseiten verlinken). Wir haben wundervolle Totschlagargumente, die bei Lieschen Müller auf der Straße funktionieren (und sich auch per BILD-Zeitung prima verbreiten lassen). Jetzt kommen noch drei Dinge dazu:

Erstens: Fünf große deutsche Internetprovider haben bereits in der letzten Woche einen Vertrag unterzeichnet, mit dem sie sich dazu verpflichten, die Webseitensperrungen auch unabhängig von gesetzlichen Regelungen und zeitnah umzusetzen. Sowas nennt man vorauseilenden Gehorsam. Damit haben wir Deutschen bereits in der Vergangenheit so unsere Erfahrungen gemacht.

Zweitens sollen die Daten der Personen, die auf gesperrte Seiten zugreifen wollen, dem BKA gemeldet werden können:

Es kann auch jeder Zugriff auf diese Seiten “zeitgleich” protokolliert werden, wie von der Leyen sagte. Dem BKA steht es frei, diese Daten zur Strafverfolgung zu nutzen.

Anders formuliert: Ich komme durch Zufall auf eine dieser Seiten – und schon bin ich potentieller Kinderschänder, Terrorist oder Anarchist.

Drittens: Warum wird gegen die bereits bekannte Kinderpornographie außerhalb des Internets nichts unternommen? Was ist mit den Fällen von Kindesmißbrauch in der Kirche – egal, ob katholisch oder evangelisch? Wieso geschieht da nichts mehr und der Staat gibt sich damit zufrieden, dass die Organisationen dies selbst regeln?

Fazit: Es geht nicht um Kinderpornographie, es geht um Zensur

Es bleibt festzuhalten: Wir haben eine technisch wirkungslose Liste, wir haben die Vorgabe, dass diese Liste geheim zu halten ist, wir haben die Möglichkeit, dass bei Zugriffen auf diese Webseiten das BKA eingreifen kann und wir haben ein wundervolles Totschlagargument.

Für mich klingt das wie potentielle Zensur.

Und wenn ich mir die handelnden Personen anschaue, die sich teilweise das Internet noch ausdrucken lassen, dann ist mir auch klar, dass genau das gewollt ist: Die wollen das kontrollieren. Und jetzt können sie auch.

Es wird Zeit, dass sich hier was ändert.

AUA: Berlin – Wiesbaden für nur 292,– EUR

Ja, super sowas: Ich muss morgen nach Wiesbaden fahren – Kundentermin, ggf. ein neuer Auftrag. Macht man ja gerne, und am Liebsten per Bahn. So von wegen Preis und Leistung und Umwelt.

Ein wenig unpässlich ist, dass ich erst gestern die genaue Zeit erfahren habe. Also konnte ich auch keinen Sparpreis o.ä. in Anspruch nehmen und eher buchen. Als ich heute früh die Preise online überprüft habe (Berlin – Wiesbaden, 1. Klasse, Bahncard 25 First), bin ich fast rückwärts vom Stuhl gekippt: 292,00 EUR will die Bahn für Hin- und Rückfahrt. Zuzuglich entweder Parken am Bahnhof für irgendwas um die 20 EUR am Tag oder Taxi für 2x 20 EUR. Da bin ich also im Bereich von 310-330 EUR. Man möchte sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: 310 EUR für 1.200 Kilometer.

Nun mag man sich denken, dass man mit dem Flugzeug fliegen könne – klar, geht auch. Ab 380,00 EUR bei AirBerlin. Lufthansa will gepflegte 550,00 EUR. Dazu kommt dann nochmal die Bahn und 2x Taxi. WTF?

Nein, es wird wohl doch wieder so laufen: Ich werde mich in mein Auto setzen, etwa 150,00 EUR Sprit einplanen (die gehen in bar weg) und vielleicht nochmal 100,00 EUR für Reparaturkosten zurücklegen (die kommen vielleicht irgendwann mal dazu) und dann in kürzerer Zeit und ohne nervende Mitfahrer zu meinem Meeting fahren. Umwelttechnisch ist es Mist, aber die Preisunterschiede sind ernsthaft unglaublich.

Tsssss… :-(

WIDERLICH: Unsäglich

+++ UPDATE +++ UPDATE +++ UPDATE +++

Okay, die Wortwahl macht die Musik, da habe ich mich wohl vergriffen, das sehe ich ein. Ich schreibe den Artikel um, gebe trotzdem die Kommentare frei, die bisher eingegangen sind, und gehe auf die Punkte dann noch gesondert ein, die unabhängig von der Wortwahl offen sind. Okay?

Die Rede ist von diesem unsäglichen Marco W.-Typen, jenen Liebling von BILD-”Zeitung” und RTL, der uns jetzt schon seit geraumer Zeit immer wieder heimsucht. Der mit einer definitiv Minderjährigen (nach deutschem Gesetz, nach englischem Gesetz, nach türkischem Gesetz) im Bett gelandet und anschließend von deren Eltern voll und ganz zu Recht angezeigt worden ist. Wobei es für den weiteren Inhalt des Beitrags keine Rolle spielt, ob er mit ihr wirklich geschlafen hat, oder nicht.

Nun hat dieser junge Mann auch noch ein Buch veröffentlicht, nachdem er zuvor schon RTL und der BILD-”Zeitung” Interviews über seine Zeit im türkischen Knast (gegen gutes Geld, versteht sich) gegeben hat. Auch mit dem Buch wird natürlich fett Kohle gemacht, ist auch klar. Darüber kann ich mich endlos aufregen, und zwar aus zweierlei Gründen:

  • Ich finde es komplett daneben, von Anfang an eine eventuell oder tatsächlich vorhandene Unschuld mit Hilfe der Medien belegen zu wollen. Anders ausgedrückt: Natürlich kann man darüber streiten, ob er wirklich mit ihr geschlafen hat und natürlich kann man auch darüber streiten, ob es vertretbar ist, jemanden über Monate hinweg in Untersuchungshaft zu nehmen. Aber man muss genau so anmerken dürfen, dass in der Öffentlichkeit gleich vom ersten Tag an die Rollen ganz deutlich verteilt worden sind (und zwar mit durchaus rassistischem Unterton): Hier der arme deutsche Junge, der beim Urlaub von einer minderjährigen Britin verführt worden ist, dort eben jene minderjährige Britin, die es dem armen deutschen Jungen – warum auch immer – anhängen wollte. Und nicht zu vergessen der ungerechte, böse türkische Staat, der den armen deutschen Jungen einsperrt, obwohl der doch von der minderjährigen Britin verführt worden ist, und nix dafür kann. Man möge mir verzeihen, aber das ist nicht mehr lächerlich, das ist unangenehm, rassistisch und einfach nur schlecht. Wie gesagt: Ich sage hier nichts über Schuld, ich sage was über die Darstellung. Ach, und bitte, das ging sehr wohl von ihm mit aus. Komme mir bitte niemand mit der Aussage, die Medien hätten das alleine inszeniert.
  • Zweitens finde ich es sehr befremdlich (um es vorsichtig auszudrücken), wie dann aus diesem Fall eine Popularität konstruiert wird. Da verkauft sich der arme, deutsche Junge an die BILD-”Zeitung” und an RTL, kassiert dafür Honorare, es werden Spendenkonten eingerichtet, es wird echt Kohle gemacht. Der Prozess läuft noch, dann kommt ein Buch heraus – Titel: “Meine 247 Tage im türkischen Gefängnis”. Welchen Zweck soll das Buch denn haben, wenn nicht, Geld zu machen? Das türkische Gericht wird es wohl eher nicht lesen oder zumindest als nicht angemessen empfinden.

Okay, den nächsten Absatz (da ging es um Looser und Vollpfosten) nehme ich raus. Ich formuliere es wie folgt: Eigentlich kümmere ich mich ja um derartige Menschen nicht, aber ich finde das Verhalten dieses Menschen unerträglich, denn zum Einen verkauft er sich an die Medien, zum Anderen ist er sich noch nicht mal einer Teilschuld bewusst. Und die hat er (wenn auch nicht im juristischen Sinne, bzw. das muss halt erst noch bewiesen werden): Er hat mit einer definitiv Minderjährigen rumgemacht. Dadurch hat er sich angreifbar gemacht. Das war ganz definitiv sein Fehler. Er sieht das aber nicht ein, sondern redet sich damit heraus, dass das Mädchen ja so gut gebaut gewesen wäre. Abgesehen davon, dass der Mann (und das ist er ja) damit schlicht nicht sieht, dass man mit einer Minderjährigen nicht rum macht (egal, ob man es weiß oder nicht – Unwissenheit schützt…), er offenbart daneben noch ein in meinen Augen wirklich unerträgliches Frauenbild.

Und dann tut es mir einfach leid: Ich finde es total arm, wenn solche Menschen auch noch mediale Aufmerksamkeit und Vermarktungsmöglichkeiten bekommen. Und davon am Ende profitieren.

Sorry, da hört es einfach auf.

URSPRÜNGLICHES UPDATE

Thomas fand mein Posting widerlich. Ich habe den Eintrug zwar nicht, möchte aber zwei Dinge klarstellen:

  • Erstens vergreife ich mich absichtlich im Ton bezogen auf diesen Typen, denn ich kann diese mediale Selbstvermarktung schlicht nicht mehr ertragen
  • Zweitens finde ich es absolut richtig, das er vor Gericht gestellt und verurteilt wird, wenn er wirklich mit der Britin geschlafen hat. Hat er nicht mit ihr geschlafen, dann muss sich der türkische Staat entschuldigen. Nur bitte fürs Protokoll: Auch in Deutschland mit einer Deutschen hätte er sich strafbar gemacht – unabhängig davon, ob die Eltern ihn anzeigen, oder nicht.

Inhaltlich nehme ich nix zurück, auch wenn man mein Posting widerlich finden mag.