Heute Abend hat Apple das neue iPhone-OS 4 vorgestellt, eine ziemlich enttäuschende Vorstellung, wie ich finde, denn neben einigen notwendigen, begrüßenswerten und zeitgemäßen Weiterentwicklungen des Systems (eine Art Multitasking, ein deutlich verbessertes Mail-Programm), haben sich für mich zwei Aspekte ganz deutlich herauskristallisiert:
- Die Milchkuh iPhone soll gemolken werden – und zwar so stark es eben geht. Die beiden Mittel zum Zweck heißen “iBooks” und “iAd”. Ersteres ist die Portierung des iPad-Bookstores auf das iPhone (das finde ich nur konsequent), letzteres ist ein von Apple bereitgestelltes und fix ins iPhone-OS eingebautes Ad-Framework, das sich aufgrund eben dieser weitreichenden Integration (und der damit einhergehenden Möglichkeiten) wie ein Buschfeuer verbreiten wird. Apple teilt die Werbeeinnahmen im Verhältnis 60/40, es bleiben also 40% des Umsatzes in Cupertino hängen. Verkauft wird das Ganze als heiliger Gral der Unterhaltung und der Coolness.
- Apple hat Angst vor Windows Phone, das ist sehr deutlich zu erkennen – das Timing der Keynote ist doch durchaus interessant, das neu vorgestellte Social-Gaming-Konzept erinnert nicht umsonst an die XBox-Integration in Windows Phone, viele Ansätze und Ideen wirken wie eine Flucht nach vorne, um die Nase vorn zu behalten – beispielsweise das gewöhnungsbedürftige Multitasking-Konzept (Apps müssen bestimmte APIs implementieren, um überhaupt multitaskingfähig zu sein) oder die verbesserte Exchange-Integration.
Sehr enttäuscht war ich von der neuen Optik des iPhone-OS. Die gibt es nämlich nicht. Stand jetzt sieht die Oberfläche weitestgehend wie die der bisherigen Iterationen aus – und damit langsam doch ein wenig angestaubt und altbacken, wenn man es mit Oberflächen wie HTCs Sense oder dem neuen Windows Phone vergleicht.
Ich für meinen Teil habe jedenfalls die bisher schwächste und enttäuschendste iPhone-Keynote überhaupt verfolgt, denn die beiden Schwerpunkte Monetarisierung und Evolution des Systems reißen mich nicht vom Hocker. Innovativ sind – zumindest derzeit – andere Anbieter, etwa Google und Microsoft.
Nachtrag: iPhone OS 4 wird es mit vollem Funktionsumfang nur für neuere Geräte geben – Besitzer von Classic-iPhones und des iPhone 3G werdennicht alle neuen Aspekte ihres Systems sehen und nutzen können. Konsequenz wird sein, dass diese Benutzer früher oder später auf die neueren iPhone-Generationen upgraden (müssen).
Das komplette Roundup der Vorstellung findet man bei Engadget.