GOOGLE: Google Chrome – oder etwa nicht?
Jetzt wird es ernst mit der Welt Datenherrschaft. Google bringt seinen eigenen Browser.
Nö, das ist kein Me-too-Post, keine Sorge.
Kurz die Fakten: Google bringt mit Chrome einen eigenen Browser auf Basis von Webkit heraus. Webkit ist die Engine, die auch unter Apples Safari steckt. Google wird den Browser kostenlos abgeben (klar, was anderes erlaubt der Markt auch nicht) und der Browser wird speziell darauf fokussiert sein, die Einfachheit ins Browsing zurück zu bringen. Daneben hat er dann so tolle Features, wie etwa den Verzicht auf ein dediziertes Suchfeld (muss man auch nicht haben, läuft ohnehin alles über Google), den Verzicht auf die klassische Bookmark-Verwaltung, eine neue JavaScript-Engine und das Google Gears-Framework fest eingebaut.
Klingt gut, speziell wenn man auch das Feature der auf dem Desktop abgelegten Webapplikationen mit hineinrechnet.
Für mich klingt das aber eigentlich überhaupt nicht mehr gut. Ich fasse das mal mit anderen Worten zusammen:
- Google bringt einen eigenen Browser, damit man anderen Browseranbietern kein Geld mehr für die Integration der Google-Suche bezahlen muss (Mozilla, Apple).
- Google pusht mit diesem Browser seine eigenen Dienste, speziell auch die bisher total untergegangenen webbasierten Office-Dienste. Die Daten bleiben natürlich bei Google auf dem Server.
- Google pusht mit diesem Browser sein proprietäres Gears-Framework, mit dessen Hilfe man angeblich auf Technologien wie Flash, Silverlight, u.ä. an vielen Stellen verzichten kann.
- Google speichert in der Standardeinstellung (die die meisten Benutzer eh nicht verändern werden) alle Suchanfragen und besuchten Webseiten auf seinem Server.
Tut mir leid, aber das klingt grauenvoll. Datenschutz? Konkurrenz? Was ist das? Für mich sieht es so aus: Hier beginnt jemand, seine Marktmacht auszunutzen. Wer einmal angefangen hat, dem Datenkraken seine Daten zu überlassen, wird damit nicht aufhören. Er fördert damit das googlesche Geschäftsmodell der scheinbar freien Software (scheinbar deshalb, weil ja Daten und Informationen abgegeben werden), mit dem andere Firmen einfach nicht mithalten können, wollen sie nicht ebenfalls Datenkraken sein.
Der Google Browser wird seinen Weg machen, genau wie das neue Mobiltelefon-Betriebssystem Android, was genau nach den selben Ideen vorgeht: Scheinbar kostenlose Angebote, um den Preis der persönlichen Daten. Er wird wahrscheinlich in kürzester Zeit eine sehr bedeutende Rolle auf dem Markt spielen, denn neben Google pushen auch verschiedene andere Firmen diesen Ansatz. Er wird aber in letzter Konsequenz zu weniger Vielfalt, weniger Auswahl und mehr Missbrauch von Daten führen, denn die meisten Benutzer überlassen dem Anbieter so viele Informationen, dass dieser alles durch Werbung refinanzieren kann. Wer sich das antun möchte, der soll den Google-Browser installieren. Wer so verblendet von den vielen kostenlosen Goodies ist, mag sie nutzen.
Ich mag meine informelle Selbstbestimmung. Ich werde dieses Stück Software nicht installieren.
An alle anderen: Willkommen im Googlenet. Ihr habt es nicht anders gewollt.
Comments(1)
Da isser: Der neue IE 7+. Eigentlich ein IE 7, aber mit mehr Platz und familienfreundlicher.