Archive for Mai, 2010

#Leben: So schnell kann es gehen…

Ich bin heute arg durch den Wind, denn heute früh durfte ich etwas beobachten, was mich sicherlich noch ein paar Tage beschäftigen und nicht sonderlich gut schlafen lassen wird: Ein Radfahrerin wurde direkt vor meinen (und Johannes) Augen angefahren.

Ein Klassiker, den man jedem Kind beibringt: Schau nach links und rechts, bevor Du über die Straße gehst oder fährst. Wir Erwachsenen halten uns oft nicht dran, schauen nur kurz und gehen davon aus, dass schon nix passieren wird. Heute früh habe ich gesehen, wie schnell sowas schief laufen kann:

Es war gegen 7.45 Uhr, ich war gerade mit dem Großen auf dem Weg zur Schule und stehe an einer kleinen Kreuzung, wollte von mir aus gesehen nach links abbiegen. Ich kam von der Nebenstraße, gegenüber war ebenfalls eine Einmündung einer Nebenstraße und auf der Hauptstraße war etwas Verkehr. Mir gegenüber wartete eine Radfahrerin, um die Straße zu überqueren. Als die Straße frei war, schaute sie – von sich aus gesehen – kurz nach links und danach geradeaus auf mich, ob ich losfahren würde. Ich wartete, sie wartete noch einen kurzen Moment und fuhr dann los. Sie hatte jedoch nicht nach rechts geschaut und das Auto, das von dort mit etwa 30-40 km/h gefahren kam, nicht gesehen. Niemand konnte so schnell reagieren – das Auto konnte nicht mehr bremsen (wäre auch sinnlos gewesen, die Straße war feucht), sie war zu erschrocken und ich konnte auch weder hupen, noch sonst wie reagieren.

unfall

Es war wie in einem Film: Das Auto erwischte sie frontal, sie flog etwa zehn Meter durch die Luft und landete auf der Gegenfahrbahn, die zum Glück in diesem Moment leer war. Ich habe noch gesehen, dass sie offensichtlich mit dem Leben davon gekommen ist, denn sie konnte sich aufsetzen – mindestens ein paar Brüche dürfte sie aber davon getragen haben. Da sofort mehrere Personen bei ihr waren, habe ich mich um meinen Großen gekümmert, dem es aber besser als mir ging (man merkt an der Schreibe, dass ich immer noch ziemlich durch den Wind bin).

Ich nehme von dieser Sache mehrere Dinge mit:

  1. “Es” kann sehr viel schneller geschehen, als man denkt.
  2. Ein Fahrradhelm ist extrem sinnvoll (sie schlug hart mit dem Kopf auf und trug einen Helm).
  3. Die Wucht eines Autos bei 30 oder 40 Stundenkilometern ist brutal.
  4. Man sollte immer noch einmal mehr schauen, ob die Straße wirklich frei ist.

Ich wünsche der Radfahrerin, das ihr nix ernsthaftes passiert ist und mir und meinem Großen wünsche ich, das wir so etwas nie wieder erleben müssen. Ich denke, ich werde zukünftig etwas anders Auto fahren.

#Medien: Nie wieder Nicole!

Heute Abend geschah (Musik-)Historisches: Lena gewann den European Song Contest, und zwar nicht (ausschließlich) mit gesanglichem Können, sondern mit einer wahnsinnig charmanten Mischung aus Gesang und ihrer Art. Ich nehme da – neben dem Sieg von Lena – mehrere gute Nachrichten mit:

  • Nie wieder müssen wir Nicole als einzige deutsche ESC-Gewinnerin ertragen müssen
  • Raab vs. Bohlen: Uneinholbar : 0.
  • Selten hat sich Deutschland europaweit so charmant und liebenswürdig präsentiert
  • Geschichte geschieht und ich bin dabei. :-)

Hach, herrlich. :-)

#Politik: Thierse, blockier se!

Ich habe ja so meine Probleme mit Wolfgang Thierse, der bei der Internetsperren-Debatte in meinen Augen komplett daneben lag. Am 01. Mai jedoch tat Thierse (neben vielen tausend Demonstranten) genau das Richtige, auch wenn es eine seltsame Melange aus SPD, CDU und FDP nicht wahr haben möchte: Er bewies Zivilcourage.

Was war geschehen? Die Nazis wollten in Berlin vom S-Bahnhof Bornholmer Straße durch den Prenzlauer Berg demonstrieren. Mitten in Berlin, mitten im einst rotesten Teil Berlins – das alleine war schon eine Provokation. Wie viele andere Menschen auch, wollten sich das einige Politiker von SPD und Grünen nicht gefallen lassen und nahmen – mehr oder weniger spontan – an einer Sitzblockade teil. Durch diese und andere Blockaden wurde die Demonstration der Nazis letztlich aufgehalten und zur Umkehr gezwungen.

Als bekannt wurde, dass sich u.a. Wolfgang Thierse an einer der Sitzblockaden beteiligt hat, brach aus verschiedenen Seiten ein Sturm der Entrüstung los – vom Innensenator der SPD, Körting (verstehe ich, der muss von Rechts und Amts wegen dagegen sein und darf in seiner Position nix anderes sagen), über den Chef der Polizeigewerkschaft Wendt (verstehe ich auch noch irgendwo, jedoch sind Duktus und Wortwahl schlicht daneben), bis hin zu diversen Unions- und FDP-Politikern distanzierten sich die Kommentatoren von Thierses vorgehen. Neo-Nazi Christian Worch erstattete gar Anzeige gegen Wolfgang Thierse.

Meine persönliche Meinung: Wer immer auch der Meinung ist, Thierse hätte sich hier falsch verhalten (die Ausnahmen habe ich bereits genannt), möge einfach mal die Fresse halten. Der Mann hat genau das Richtige getan – dem braunen Pack sollte man so wenig wie möglich Spielraum geben. Dazu braucht man Eier in der Hose, die solche Typen Wolfgang Bosbach (CDU, “Thierse hat sich glasklar rechtswidrig verhalten”) und Björn Jotzo (FDP, “unerträgliche und rechtswidrige PR-Sitzblockade”) natürlich nicht haben. Diese geschniegelten und lackierten Politik-Karrieristen kennen das nämlich nicht, was Thierse hier an den Tag gelegt hat: Zivilcourage. Stattdessen stellen sie sich in eine Reihe mit dem Nazi-Pack.

An Wolfgang Thierse und all die vielen anderen Demonstranten: Gut gemacht! Von derartigen Aktionen muss es noch viel mehr geben, selbst wenn es dafür Geldstrafen geben sollte, wäre es das allemal wert. Wehret den Anfängen!