#Politik: Der Absturz (#btw09)

Ich bin geschockt. Damit habe ich nicht gerechnet, nicht in dieser Tiefe. Wir haben heute erlebt, wie eine Partei mit 146jähriger Geschichte den totalen Absturz, das komplette Desaster hinlegt.

So viel hat noch nie eine Partei innerhalb einer Legislaturperiode verloren, wie nun die SPD: Um die 11% werden es sicher sein (die endgültigen Zahlen sind noch nicht da). In Berlin ist die SPD mittlerweile nur noch drittstärkste Kraft nach der CDU und der Linken. Abgewirtschaftet, auf der ganzen Linie. Die Partei ist nur noch ein Schatten ihrer selbst, wenn sich nicht grundsätzlich etwas ändert, wird sie mittelfristig deutschlandweit von den Linken und den Grünen überholt werden.

Die Gründe für dieses Desaster sind vielfältig und sicher nicht nur in den derzeit handelnden Personen zu sehen – aber dennoch stehen sie prototypisch für die Probleme, die die Partei hat: Mittelmaß, Konzeptionslosigkeit, Relevanzlos. Und dennoch stehen sie auf der ersten Pressekonferenz nach dem Debakel und beanspruchen die Posten als Fraktionschef und als Parteichef. Unwidersprochen – maximal leises Murren wird laut, etwa von Bjoern Boehning:

boehningb

Diese Stimmen werden in den nächsten Wochen und Monaten – so bleibt jedenfalls für die Sozialdemokraten zu hoffen – zunehmend stärker, denn genau das ist es, was diese Partei nun benötigt: Eine komplette Runderneuerung, ein neues Führungspersonal. Wenn dies nicht geschieht, wird sie sich noch weiter marginalisieren.

Fraglich bleibt letztlich, in welche Richtung diese Runderneuerung laufen wird – wenn es in absehbarer Zeit wieder eine Machtoption für die SPD geben soll, dann kann es nur nach links gehen, denn die Mitte ist von CDU und FDP weitestgehend besetzt. Da dies mit dem derzeitigen Spitzenpersonal nicht zu machen ist, wird es nicht ausbleiben, dass das Führungspersonal successive ausgetauscht wird.

Und mit neuem Führungspersonal gibt es potentiell auch neue Partner für die Partei. Und das von Gregor Gysi am heutigen Tag um kurz vor halb acht ausgerufene Linksbündnis aus SPD, Linken und Grünen könnte schon in der näheren Zukunft Wirklichkeit werden.

Verdient hätten wir es.

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