#Geschichte: Heute, vor siebzig Jahren
Es gibt Daten, die verändern den Lauf der Welt. Eines dieser Daten ist der 01. September 1939, der Tag, an dem Deutschland (nicht Hitler, nicht die NSDAP) Polen überfallen hat und unendliches Leid über die gesamte Welt brachte.
Ein historisches Datum, dieser erste September.
Vorausgegangen war diesem Datum das mittlerweile schon übliche Spielchen Hitlers gegenüber den Westmächten: Unerfüllbare Forderungen stellen, Ultimatum stellen und dann darauf bauen, das die Westmächte entweder einlenken (wie im Falle der Tschechoslowakei 1938) oder still halten (Österreich 1938). Nachdem Hitler sich durch den Abschluß des Hitler-Stalin-Paktes und die Unterzeichnung des geheimen Zusatzprotokolls versichert hat, das die Sowjetunion auf seiner Seite steht, ergriff er am 01. September 1939 die Initiative und ließ zunächst ein kleines Dorf, und anschließend die Westerplatte in Danzig angreifen. Schnell wurde Polen erobert, dann im Blitzkrieg die Benelux-Länder und Frankreich, später dann auch Süd- und Nordeuropa. Überall wurde die Rassenfrage gestellt und blutigst beantwortet. Rücksichtnahme auf die Einwohner der angegriffenen Länder? Fehlanzeige, denn letztlich waren sie für die Planer allesamt nichts anderes als Untermenschen, wenn auch in unterschiedlichen Abstufungen. Ihre Aufgabe in einem besiegten Europa (und später in einer besiegten Welt): Den Deutschen dienen und letztlich Menschen zweiter oder dritter Klasse sein, geboren um zu arbeiten und zu gehorchen.
Bereits in den ersten Stunden des Krieges zeigte sich das mörderische Gesicht dieses Krieges – 1.200 tote Zivilisten in Wielun sprechen eine deutliche Sprache. Kurz danach wurde Warschau als erste Großstadt großflächig bombardiert, einige Monate später Rotterdam und diverse britische Städte. Nicht zu sprechen von der Ausradierung russischer Dörfer und Städte. Dies waren die Blaupausen für den Bomberkrieg der Allierten gegen Deutschland. Dabei können wir Deutschen uns noch glücklich schätzen, das der Krieg für uns bereits im Mai 1945 beendet war – Dresden und andere deutsche Städte waren bereits in der engeren Auswahl als Atombombenziele.
Unmenschlichkeit, das ist das Wort, das diesen Krieg am Besten beschreibt: Konzentrations- und Vernichtungslager, das Ausradieren von Städten und Dörfern, Massaker, Vergewaltigungen und Exekutionen, blutige Partisanenkämpfe und uneingeschränkter U-Boot-Krieg sind nur einige Auswüchse dieses blutigen Konfliktes gewesen. Die Ergebnisse sind bekannt, die Verursacher und die Auslöser sind es auch: Wir Deutschen waren es.
Um so bedrückender ist es, wenn man beobachtet, wie in Deutschland auf dieses Datum eingegangen wird: Das ZDF sendet eine 45-minütige Dokumentation, 3sat bringt “Der Untergang” und die anderen Fernsehsender ignorieren dieses Datum. Rundfunksender berichten maximal ein paar Sekunden in ihren Pseudo-Nachrichten über die Gedenkfeiern in Polen und Zeitungen räumen lediglich ein paar Pflicht-Zeilen dafür frei. In Sachsen und Brandenburg hängen Plakate von Neonazi-Parteien und überhaupt können die Ewiggestrigen weitestgehend ungestört Schalten und Walten, nur ruhig müssen sie sein.
Gerade als Deutsche sollten wir für zwei Dinge sorgen: Dafür, das möglichst nie wieder irgendwo ein Krieg ausbricht und dafür, das Nazis keine Chance mehr bekommen, nirgendwo. Beides ergibt sich aus unserer Geschichte, beides ergibt sich aus dem ersten September 1939.