#Medien: Der Komplettausfall

Über den Berliner Bezirk Marzahn kann man sicherlich ganz viele verschiedene Dinge sagen, aber Wolf-Dieter Poschmann aus Köln, seines Zeichens ZDF-Sportmoderator der unerträglichen Sorte, hat den kompletten Vogel abgeschossen: Wer in Marzahn aufgewachsen sei, sei zu allem fähig, so seine Aussage am Samstag bei der Live-Übertragung von der Leichtathletik-WM.

Um es kurz zu sagen: Diese Art von Entgleisung zeigt deutlichst auf, woher Herr Poschmann kommt, wo er noch nie war, und das er als Sportmoderator schlichtweg inkompetent und untragbar ist.

Ich selbst bin im Berliner Bezirk Marzahn aufgewachsen, habe dort von 1983 bis 1996 gewohnt, die Schule besucht und den rauen Alltag gemeistert. Tatsächlich ist es einer der ärmeren Bezirke Berlins, er ist sicher nicht überall schön und er hat in jedem Fall auch Gegenden, in denen man Nachts besser nicht allein unterwegs ist. Aber er ist garantiert nicht weniger liebens- und lebenswert als andere Bezirke.

Woher Herr Poschmann sein Marzahn-Bild hat, ist mir allerdings – anders als vielen anderen Zeitgenossen – schon klar, und zwar aus eigener Erfahrung, denn bereits kurz nach der Wende haben deutsche Medien (speziell auch das ZDF) Marzahn als einen der Problembezirke Berlins und als besonders gefährliche Gegend dargestellt.

Als Schüler wurde ich (mit anderen Mitschülern zusammen) etwa von einem Team der ZDF-Sendung “Kennzeichen D” einen Tag lang begleitet, es wurden durchaus längere Interviews mit uns über den Bezirk Marzahn und unser Leben dort geführt – es sollte ein differenzierter(er) Bericht werden. Das Ergebnis? Die Reporterinnen rissen einzelne Statements aus dem Zusammenhang und vermittelten so den Eindruck, das der Bezirk nicht lebenswert, gefährlich und unwirtlich sei. Auch andere Medien verfuhren ähnlich.

Also, es ist schon klar, woher Herr Poschmann sein Bild von Marzahn hat. Unklar jedoch ist, woher er seine Blasiertheit nimmt, warum er trotz seines unerträglichen Moderationsstils weiterhin auf Sendung bleibt und wieso das ZDF verzweifelt versucht, den Fauxpas des Herrn Poschmann als Scherz darzustellen.

Andererseits wirft es einen bezeichnenden Blick auf unsere Medienlandschaft. Und auf den Zustand der Mauer in den Köpfen.

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