Archive for April, 2009

ME TOO: Stöckchenweitwurf

Hmmm, eigentlich war ich ja ganz froh darüber, dass die Tradition des Stöckchenwerfens so ein wenig untraditionell geworden ist. Scheinbar habe ich mich geirrt – und wie es sich für ein gutes, echtes Me-Too-Posting gehört, mache ich natürlich mit!

Also, der Jürgen warf es an mich weiter, der Peter hat es erfunden, ich beantworte mal:

  1. Meine Lieblingszahl ist … *grübel* … 7.
  2. Ich fahre einen BMW 3er Compact, und zwar aus Überzeugung!
  3. Ich spiele eigentlich sehr selten, aber wenn, dann Civilization IV BtS und alle Sid Meyer-Spiele (aktuell noch Railroads!).
  4. Windows Server 2008 kommt mir nicht auf die Kiste, so lange es noch Support für Windows Server 2003 gibt.
  5. Musik höre ich eigentlich nicht – außer ich gehe Tanzen (ich bin Turniertänzer, und da höre ich wundervolle Standard- und Lateinmusik).
  6. Entwicklerische Evolution: C64-Basic –> C64 GEOS-Basic –> Amiga Basic –> Amiga Assembler –> Turbo-Pascal –> Delphi –> Visual Basic –> C –> C++ –> PERL –> PHP 3 / 4 / 5 –> VBScript –> VB.NET –> C# –> Java,

    Technologische Evolution: VB 4 –> VB 6 –> HTML –> ASP –> XML –> XSLT –> ASP.NET –> Windows Forms –> Struts –> JSF –> Seam –> WPF –> ASP.NET MVC

  7. Ich bin zufriedener iPhone / iPhone 3G / MacBook / MacBook Pro-Besitzer. Ich mag Äpfel, momentan fehlt mir allerdings ein Tablet-Apfel.
  8. Neben Programmierung und Spielen interessiere ich mich für Politik (da kommt was, versprochen!), Tanzen, meine Kinder, Geschichte, Medien und Kaffee.

So, damit niemand denkt, er käme davon: Das Stöckchen wird hiermit dem Kollegen Bandt, dem MoB und dem Herrn Ritter an den Kopf geschlagen.

POLITIK: Ich bin schuldig!

Oh! Mein! Gott! Zensursula hat mich durchschaut, ich MUSS schuldig sein:

Wir wissen, dass bei den vielen Kunden, die es gibt, rund 80 Prozent die ganz normalen User des Internets sind. Und jeder, der jetzt zuhört, kann eigentlich sich selber fragen, wen kenne ich, der Sperren im Internet aktiv umgehen kann. Die müssen schon deutlich versierter sein. Das sind die 20 Prozent. Die sind zum Teil schwer Pädokriminelle. Die bewegen sich in ganz anderen Foren. Die sind versierte Internetnutzer, natürlich auch geschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft

Okay. Machen wir aus den anderen 80% auch versierte Internetnutzer. Bitte befolgen Sie folgende Schritte:

Anleitung für gefährliches Wissen

Gehen Sie auf die Webseite www.hotspotshield.com.

Get Behind the Shield! Hotspot Shield by AnchorFree - Opera

Klicken Sie auf den Download-Button und laden Sie die angebotene Datei herunter:

Herunterladen der Datei HSS-1.15-install-anchorfree-76-conduit.zip

Entpacken Sie die Datei durch einen Rechtklick und die anschließende Auswahl von “Entpacken nach hier” aus dem Kontextmenü. Nun befindet sich eine EXE-Datei im Ordner:

InternetProfi

Führen Sie einen Doppelklick auf die EXE-Datei aus und folgen Sie die Anweisungen auf dem Bildschirm. Um Ihre Kenntnis des Internets zu bezeugen, entfernen Sie einfach alle Häkchen auf Ihrem Weg durch den Installer.

Hotspot Shield 1.15 Setup

Hotspot Shield 1.15 Setup (2) Hotspot Shield 1.15 Setup (3) Hotspot Shield 1.15 Setup Hotspot Shield 1.15 Setup  (2)

Achtung: Als versierter Internetbenutzer kann es Ihnen geschehen, dass Sie über rote Warnhinweise stolpern. Das geschieht stets dann, wenn Sie potentiell böse Sachen machen wollen – etwa einen VPN-Treiber für Ihr System installieren möchten. Tun Sie dies, verhindern Sie beispielsweise die Nutzung der Internetfilterliste. Überlegen Sie also gründlich, bevor Sie bei der folgenden Meldung die Option “Diese Treibersoftware trotzdem installieren” auswählen:

Windows-Sicherheit

Nach einer Weile ist die Operation abgeschlossen:

Hotspot Shield 1.15 Setup  (3)

Wenn Sie die Option “Launch Hotspot Shield” aktiviert lassen, wird der VPN-Tunnel sofort aufgebaut. Anderenfalls haben Sie in Ihrem Startmenü unter “Alle Programme” > “Hotspotshield” den Eintrag “Hotspot Shield Launch”, den Sie einfach anklicken können. Ggf. müssen Sie das mit Administratorrechten machen (Rechtsklick > “Als Administrator ausführen”). Aber das wird Sie versierten Internetbenutzer nicht vor unüberwindliche Probleme stellen. :-)

So, fassen wir zusammen: Von der 80%-Masse zu den 20% gefährlichen Internetbenutzern sind es etwa zehn Minuten, ein Download und weniger als zwanzig Klicks.

Zensursula hat Sie sicher bald auf dem Kieker. Und das BKA auch. Und der Gröfaz Grimaz auch – denn der kann nun nicht mehr sehen, wo und was Sie ansurfen.

Sie gefährliches, verkommenes Subjekt, Sie!

Sollten Sie Schwierigkeiten mit Hotspot Shield unter Vista X64 (hier übrigens ein Hinweis, wie Sie das Problem mit dem TAP-Treiber lösen können und hier finden Sie eine Anleitung für eine manuelle Konfiguration) oder anderen Systemen haben, dann können Sie u.a. auch auf die kostenpflichtige (aber dafür ohnehin deutlich schnellere) Alternative PersonalVPN ausweichen.

Beiden Ansätzen gemein ist, dass Sie über einen Tunnel nicht mehr direkt über ihren Provider in Deutschland ins Netz gehen, sondern IP- und DNS-technisch als Amerikaner oder Brite handeln und mit entsprechenden Adressen unterwegs sind. Nebenbei ist die Verbindung verschlüsselt, so dass der Kollege Grimaz und die Freunde von BND und BKA hier nicht mitlauschen können. Strafbares Verhalten bleibt aber strafbares Verhalten, soviel sollte auch klar sein.

POLITIK: ProReli gescheitert

Sie haben es nicht geschafft: Die Initiative “ProReli”, die ein Wahlpflichtfach “Religion/Ethik” durchsetzen wollte, ist gescheitert.
 
Ich persönlich habe dagegen gestimmt, weil ich finde, dass Ethik als übergreifendes Fach, das über alle relevanten Religionen und deren Inhalte aufklärt sinnvoller ist. Wer mag, kann ja zusätzlich freiwillig das weiterhin angebotene Fach “Religion” belegen.
 
Was ich aber als enorm unangenehm empfunden habe (das fand ich schon bei der Tempelhof-Abstimmung so grauenvoll), war der Versuch, den Entscheid zu einer Grundsatzentscheidung für oder gegen die Freiheit hochzustilisieren. Besonders die Springer-Presse (BILD, Morgenpost) tat sich dabei immer wieder hervor. Damit erreichen sie jedoch keine vorgebliche Stärkung der Demokratie und der Freiheit, sondern pervertieren diese Gedanken.
 
Und das ist letztlich viel schlimmer und auch wichtiger, als die Frage, ob “Religion” ein Wahlpflichtfach oder ein freiwilliges Fach sein soll.

Politik: Noch bessere Netzsperre

Die EU setzt unserer Filterliste noch die Krönung auf, denn sie plant eine Verordnung, die es erlaubt, das Internet in Paketen anzubieten – und was man nicht gebucht hat, sieht man nicht.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Zukünftig soll es möglich sein, dass Zugangsanbieter (die ja auch schon mal Kundendaten an das BKA weitergeben) das Internet portioniert anbieten können. Das klingt harmlos (wenn auch völlig sinnlos), bedeutet aber, dass man das Internet nur noch in Paketen kaufen kann. In diesen Paketen sind dann bestimmte Abrufkontingente für bestimmte Dienste drin – und wenn ich z.B. Premiere anschaue, dann weiß ich schon, wie das aussehen wird: Es wird ein Standard-Paket geben, ein Family-Paket, ein Sport-Paket, etc. In jedem dieser Pakete sind bestimmte Webseiten aktiviert, andere nicht (wird wahrscheinlich unter dem “Kinderschutz”-Label verkauft werden).

Das kann dann in der Konsequenz dazu führen, dass etwa im Standard-Paket nur noch “Meinungsführer” wie etwa SPIEGEL ONLINE, die BILD-Zeitung oder andere Vertreter vertrauenswürdiger Publikationen drin sind. Andere Webseiten wären nur eingeschränkt oder gar nicht mehr aufrufbar. Um die zu nutzen, müsste man beispielsweise das Premium-Paket buchen oder zu einem anderen Anbieter wechseln. Analoges gilt dann für FileSharing, Tunneling und andere potentiell verdächtige Dinge.

Im besten Fall führt dies zu einer Gewinnmaximierung der Provider (wofür eigentlich?), im schlechtesten Fall dazu, dass sich nur noch Besserverdiener ein wirklich freies Internet leisten können.

Mehr Informationen gibt es u.a. bei http://www.blackouteurope.eu/lang/deutsch/main.html. Fürs Protokoll: Das muss nicht passieren, aber mit der neuen Verordnung kann es geschehen.

Ach, die freie und unabhängige Presse hat darüber nicht berichtet?

Oooopsi. Warum wohl nicht?

Politik: Bananenrepublik

PriceWaterhouseCooper (PWC) hat einen eigenen Mitarbeiter im Wirtschaftsministerium. Der Mitarbeiter ist einerseits als Referent im Ministerium von KTvG, andererseits als Senior Consultant bei der Prüfungsgesellschaft tätig – und kann so Einfluss auf Auftragsvergaben aus dem Ministerium u.a. an seinen Arbeitnehmer nehmen. (via)

Direkt nach Beschluss des Zensurgesetzes Kinderpornographie-Gesetzes geschieht genau das, was jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand gewusst hat: Es sollen nunmehr auch Sperren gegen Urheberrechtsverletzungen und gegen ausländische Glücksspielanbieter eingerichtet werden, fordern Vertreter des Buchhandels und der hessischen Landesregierung. (via)

Das mit der Sperre gegen ausländische Glücksspielanbieter wird aber nix werden, das hat Zensursurla bereits im letzten Jahr erfolgreich verhindert. Warum? Ihr Bruder ist Chef eines ausländischen Glücksspielanbieters… (via)

POLITIK: Eine Strafbarkeit…

“…liege schon in dem Moment vor, wenn nicht nachgewiesen werden könne, dass es sich um ein Versehen oder eine automatische Weiterleitung gehandelt habe.” (Brigitte Zypris, Bundesjustizministerin!)

Das ist schlichtweg die Abschaffung der Unschuldsvermutung.

via

POLITIK: Bad Bank – oder wer bezahlt das eigentlich?

Die Kollegen Steinbrück und KTzG haben einen neuen Vorschlag: Banken sollen eine Bad Bank gründen können und dort ihre Papiere einbringen dürfen. Der Staat gibt Bürgschaften und hält sich ansonsten raus.

Ziel dieser Idee: Die Banken werden ihre “giftigen” Papiere los, sie vertrauen einander wieder mehr und das Geld- und Kreditgeschäft kommt wieder in die Gänge.

Ich übersetze diesen Vorschlag mal kurz ins Deutsche: Die Banken gründen jeweils Zweckgesellschaften und übertragen auf diese Zweckgesellschaften die hochspekulativen und riskanten Papiere, die uns alle erst in diese Finanzkrise gebracht haben. Anschließend gibt der Staat Bürgschaften – er steht also dafür ein, dass die Zweckgesellschaften und die Banken nicht pleite gehen. Nach fünfzehn bis zwanzig Jahren werden die Zweckgesellschaften successive liquidiert – es sei denn, die Bank ist dann doch vorher schon pleite gegangen, aber dann greift ja die Bürgschaft und die Gläubiger und Geschäftspartner der Bank bekommen ihr Geld.

Nun könnte man vermuten, dass der Staat Anteile an den Banken als Gegenleistung für seine Sicherheiten erhält. Diese Anteile könnten dann auch Gewinne bringen, wenn die Banken wieder Gewinne machen würden (was sie recht schnell tun dürften, denn die wertlosen Papiere wären ja aus der Bilanz).

Dem ist aber nicht so. Der Staat hält keine Anteile. Der Staat sichert nur ab. Oder, wie ein Politiker (ja, ich weiß, Politikern sollte man nicht trauen) so richtig sagte: Die Gewinne werden privatisiert, die Risiken auf die Gesellschaft abgewälzt. Wieviel uns das kostet, sehen wir dann in zwanzig Jahren.

Mal abgesehen davon, dass man kotzen könnte, stellt sich eine weitere Frage: In wessen Interesse handeln Steinbrück, KTzG und die Bundesregierung eigentlich?

Entscheidung folgt.

MOBILES LEBEN: T-Mobile bietet SMS als Entschädigung

Der gestrige Netzausfall war auf irgendein Software-Problem zurück zu führen. Würde ich auch sagen, wenn ich T-Mobile wäre und nicht zugeben wollte, dass ich gehackt worden bin…

Wie auch immer: T-Mobile ist großzügig und lässt sich nicht lumpen. Als Entschädigung bietet man Gratis-SMS an. Genauer gesagt: Unbegrenzte Gratis-SMS. Noch genauer gesagt: Unbegrenzte Gratis-SMS in alle Netze am kommenden Sonntag.

Ich überlege gerade, ob mir das helfen würde, wenn Geschäfte geplatzt oder Verstimmungen bei Kunden aufgetreten wären. Vielleicht könnte ich ja die stinkigen Kunden mit einem Dauer-SMS-Bombardement beruhigen?

Grübelnd…

AUA: Zensiert!

So, ab heute haben wir den Salat: Deutschland führt die Internetzensur ein. Merkt euch dieses Datum, ihr werdet später euren Kindern noch dafür Rede und Antwort stehen müssen.

Falls es jemand noch nicht mitbekommen hat: Es geht vordergründig um den Schutz vor Kinderpornographie. Ich bin selbst Vater und stehe voll und ganz dahinter, dass man Kinderpornographie, deren Herstellung, Verbreitung und Konsumierung verhindern muss. Die Konsumenten und auch die Anbieter gehören vor ein ordentliches Gericht gestellt und wenn sie schuldig sind, gehören sie verurteilt und weggesperrt.

Das vorweggeschickt, wurde heute vom Kabinett ein Gesetzesentwurf von Ursula von der Leyen verabschiedet, der technische Sperrmaßnahmen gegen den Konsum von Kinderpornographie vorsieht. Vordergründig jedenfalls.

Tatsächlich sieht es inhaltlich und auch technisch wie folgt aus:

Die Sperrliste, die genutzt werden soll, wird vom BKA erstellt. Diese Liste wird dann den Providern zugestellt, die ihrerseits dafür sorgen sollen, dass die entsprechenden Webseiten nicht mehr aufrufbar sind. Leider ist es jedoch so, dass mit Hilfe von Proxy-Servern, freien DNS-Servern oder auch VPN-Verbindungen (etwa HotspotShield, auch kommerzielle Lösungen) die entsprechenden Sperren ohne einen Funken technischer Ahnung umgangen werden können, was auch den Herrschaften in den diversen beteiligten Gremien und Ministerien klar sein muss. Und der Zielgruppe ohnehin.

Zweiter Aspekt: Die allermeisten Server, auf denen sich Kinderpornographie befinden soll, stehen in den westlichen Ländern, in denen Kinderpornographie ohnehin strafbar ist. Man benötigt also keine Filterliste, um diesen Kram aus dem Netz zu bekommen.

Drittens: Es wird unterstellt, dass es eine große und funktionierende Industrie rund um Kinderpornographie gibt, sonst würde ja eine Filterliste keinen Sinn machen. Seit der Operation Mikado vor einigen Jahren jedoch muss jedem Anbieter und Konsumenten klar sein, dass es über das Internet kommerziell nichts mehr zu holen gibt, denn die Möglichkeiten der Abgleichung von Personen- und Kreditkartendaten (oder von PayPal-Zahlungen, oder oder oder) sind schon lange gegeben. Und: Ob es so eine Industrie jemals gab, ist ohnehin fraglich.

Viertens: Im Grunde wird jeder Deutsche unter Generalverdacht gestellt, sonst würde ja eine derartige Liste keinen Sinn mehr machen. Wenn es nur einige tausend Menschen wären (was schlimm genug ist!), die über das Internet Kinderpornos konsumieren würden, dann wäre eine derartige Liste bei Millionen und Abermillionen von Internetnutzern komplett sinnlos und völlig überdimensioniert.

Fünftens: Schon der Verweis auf kinderpornographische Seiten und auf Seiten, die Verweise auf diese Seiten bereitstellen, ist strafbar. Klingt harmlos, führt aber dazu, dass man sich bereits strafbar macht, wenn man beispielsweise nur die Liste über Mittelsmänner bekommt und ins Internet stellt (Stichworte: Kontrolle und Mitbestimmung).

Wir halten also bis hierher fest: Die Liste ist technisch leicht zu umgehen und macht auch sonst keinen Sinn. Die Liste von vom BKA bereitgestellt und ist nur den Providern zugänglich, also vom Volk auch nicht kontrollierbar und darf auch nicht veröffentlicht werden.

Dann stellen wir mal die Frage nach dem dahinter liegenden Gedanken. Worum geht es also bei der Einführung dieser Filter?

Es geht um Kontrolle und Zensur

Die Antwort ist erschreckend und liegt doch auf der Hand: Es geht um die Kontrolle des Internets und um Zensur. Es ist wirklich so einfach.

Mit der Liste und den zugehörigen rechtlichen Vorschriften erhalten Politik und Strafverfolgungsbehörden die Möglichkeit, bestimmte Inhalte vor dem gewöhnlichen Deutschen einfach auszublenden. Das geht heute mit (angeblicher) Kinderpornographie los und wird morgen auf bedenkliche politische Inhalte und irgendwann einfach auf kritische und andersdenkende Stimmen übergreifen. Das ist keine Frage, das wird so passieren – allein schon deshalb, weil es außerhalb von BKA (und Regierung) keine Kontrollinstanz geben wird. Da entscheiden ein paar Wenige, was wir sehen und lesen dürfen.

Weiterhin gibt es einen Generalverdacht: Wer versucht, die Filterung und Sperrung zu umgehen, der macht sich verdächtig. Wie schnell das geht, kann man zum Beispiel hier nachlesen:

Kundenanfrage vom 09.04.2009 19:42

Hinweis zur Bearbeitung: Hallo Herr Hxxx, hat er Recht
oder ist er nur ein potenzieller Nutzer der demnächst
gesperrten Seiten, der nun maulig wird? Bitte um Prüfung
oder Weiterleitung. Vielen Dank und frohe Ostertage! Anja
Hxxx, VCS Uelzen

Potentieller Nutzer = Potentieller Straftäter. Plus eine interessante Formulierung: “Hat er Recht oder ist er ein potentieller Nutzer”. Sehr schön.

Daneben gibt es einen weiteren charmanten Nebeneffekt: Man erhält ein wundervolles Totschlagargument: Die Webseite dieser Person / Vereinigung / Gruppierung steht auf der Sperrliste, also müssen die Inhalte dort per se ungesetzlich sein – sonst würden sie ja nicht draufstehen. Mag sein, dass der technisch und / oder politisch gebildetere Zeitgenosse das noch kritisch hinterfragt, aber Otto Normalverbraucher steht ohnehin ja schon auf dem Standpunkt, dass derjenige, der nichts zu verbergen hat, ja auch nichts zu befürchten habe. Das ist ganz einfach ein Argument, gegen das man nicht anstinken kann. Die da oben werden schon wissen, was richtig und was falsch ist.

Der Fall wikileaks.de

Unwahrscheinlich, dass es so kommt? Sicher?! Ich verweise nur mal auf den Fall wikileaks.de, bei dem genau das in abgeschwächter Form angewandt ist: Es gab eine Hausdurchsuchung unter dem Verdacht der Förderung von Kinderpornographie. Grund: Unter wikileaks.de ist die australische Filterliste einsehbar (nebenbei sollte man sich die tatsächlich mal zu Gemüte führen, da sind neben diversen Pornoseiten nämlich auch Abtreibungsgegner und regierungskritische Organisationen drauf). Natürlich wurde nichts gefunden und der Domaininhaber konnte auch keinen Zugang auf einen Server gewähren, der ihm nicht mal gehört – aber er ist jetzt stigmatisiert: Alle Welt denkt, wenn sie wikileaks.de hört, an Kinderpornographie. Zukünftig geht das, wie gesagt, noch um einiges einfacher.

Zusammenfassung bis zu dieser Stelle: Die Liste ist technisch wirkungslos, dient potentiell der Zensur und kann wundervoll als Totschlagargument dienen.

Jetzt setzen wir das Ganze nochmal in den Ausgangskontext: Wir haben ein Gesetz über die Sperrung von Webseiten (und von Webseiten, die auf gesperrte Webseiten verlinken). Wir haben wundervolle Totschlagargumente, die bei Lieschen Müller auf der Straße funktionieren (und sich auch per BILD-Zeitung prima verbreiten lassen). Jetzt kommen noch drei Dinge dazu:

Erstens: Fünf große deutsche Internetprovider haben bereits in der letzten Woche einen Vertrag unterzeichnet, mit dem sie sich dazu verpflichten, die Webseitensperrungen auch unabhängig von gesetzlichen Regelungen und zeitnah umzusetzen. Sowas nennt man vorauseilenden Gehorsam. Damit haben wir Deutschen bereits in der Vergangenheit so unsere Erfahrungen gemacht.

Zweitens sollen die Daten der Personen, die auf gesperrte Seiten zugreifen wollen, dem BKA gemeldet werden können:

Es kann auch jeder Zugriff auf diese Seiten “zeitgleich” protokolliert werden, wie von der Leyen sagte. Dem BKA steht es frei, diese Daten zur Strafverfolgung zu nutzen.

Anders formuliert: Ich komme durch Zufall auf eine dieser Seiten – und schon bin ich potentieller Kinderschänder, Terrorist oder Anarchist.

Drittens: Warum wird gegen die bereits bekannte Kinderpornographie außerhalb des Internets nichts unternommen? Was ist mit den Fällen von Kindesmißbrauch in der Kirche – egal, ob katholisch oder evangelisch? Wieso geschieht da nichts mehr und der Staat gibt sich damit zufrieden, dass die Organisationen dies selbst regeln?

Fazit: Es geht nicht um Kinderpornographie, es geht um Zensur

Es bleibt festzuhalten: Wir haben eine technisch wirkungslose Liste, wir haben die Vorgabe, dass diese Liste geheim zu halten ist, wir haben die Möglichkeit, dass bei Zugriffen auf diese Webseiten das BKA eingreifen kann und wir haben ein wundervolles Totschlagargument.

Für mich klingt das wie potentielle Zensur.

Und wenn ich mir die handelnden Personen anschaue, die sich teilweise das Internet noch ausdrucken lassen, dann ist mir auch klar, dass genau das gewollt ist: Die wollen das kontrollieren. Und jetzt können sie auch.

Es wird Zeit, dass sich hier was ändert.

AUA: Rechnung nicht bezahlt?

Hmmm, seltsam: Seit etwa 16 Uhr kann man im T-Mobile-Netz nicht mehr telefonieren (und auch nicht mehr surfen, btw). Zunächst dachte ich, dass das meine Schuld wäre (wobei ich allein ja schon für die Hälfte des Jahresgewinnes von T-Mobile aufkomme), aber weit gefehlt…

Es sieht so aus, als ob das ganze T-Mobile-Netz zusammengebrochen wäre. Deutschlandweit, fast ohne Ausnahme. Grund: Unbekannt. Dauer: Unbekannt.

Man könnte jetzt unken: Vielleicht ein Hacker-Angriff auf die Zentralrechner? Oder die Rechnung(en) wurden nicht bezahlt? Wie auch immer, ich bezweifle, dass wir den tatsächlichen Grund erfahren werden (wenn es ein Hacker-Angriff war) und stattdessen die Auskunft erhalten, dass ein Server defekt war und sich anschließend eine USV nicht einschaltete oder sowas ähnliches.

E-Plus und Vodafone funktionieren übrigens. Und geben – nur mal am Rande erwähnt – meine Verbindungs- und Kundendaten auch nicht im vorauseilenden Gehorsam an den BND, das BKA oder die private Adresshandelsindustrie weiter.

Könnte man ja mal drüber nachdenken.