Archive for September, 2008

SYSTEMMITTEILUNG: Schwein gehabt!

Da häte ich doch beinahe hunderte von Euro für eine Anti-SPAM-Lösung für meinen Exchange-Server ausgegeben, die ich letztlich überhaupt nicht benötigt habe. Glück gehabt.

Was passiert ist?

Seit heute früh habe ich keine E-Mails mehr bekommen. Und zwar noch nicht mal die üblichen zweihundert Junk-Mails, die hier bis zum späten Vormittag für gewöhnlich aufschlagen. Stutzig geworden, habe ich mir über diverse Accounts selbst E-Mails gesendet – die kamen auch nicht an.

Okay, wird wohl der ASSP-Proxy sein, dachte ich. Also hab ich den Dienst beendet und neu gestartet – nix. Es gab aber auch keine Fehlermeldungen, es kamen schlicht keine Mails durch. Ein kurzes Umstellen auf den Exchange-Server hat auch nur bestätigt, dass es Exchange nicht sein kann – binnen Minuten kamen Mails.

Der nächste Schritt war dann, per Telnet zu versuchen, mir Mails zukommen zu lassen. Hat funktioniert, es ist alles angekommen. Das war der Moment, in dem ich seeeehr nachdenklich wurde – wieso kommen Mails per Telnet durch, per externem Mailserver aber nicht? Also hab ich den Operator! angerufen – bei dem kamen dann nicht mal die Telnet-Mails durch. Er jedoch erhielt eine Fehlermeldung, die inhaltlich besagte, dass keine Ressourcen frei wären.

WTF? Auf dem Systemlaufwerk waren mehr als 1 GB frei, auf der Datenpartition sanfte 280 GB?! Unverständlich, aber auch durch das irritierte und nervöse Augenrollen änderte sich nix. Aus einem unerfindlichen Grund schien ASSP komplett zerschossen zu sein.

In dem Moment erinnerte ich mich an ein Posting des Kollegen Wille über eine Anti-SPAM-Lösung für den Exchange. Also hab ich mir die Testversion geladen, installiert und konfiguriert und wurde innerhalb von Sekunden mit E-Mails überschüttet. Und eine nette Administrationsoberfläche hatte das Teil! Herrlich! Nur SPAM- / Anti-SPAM-technisch ist es grauenvoll zu konfigurieren, was mich dann nicht wirklich in Ruhe ruhen ließ.

Also hab ich mir die neueste ASSP-Lösung geladen, über die scheinbar kaputte Lösung drüber installiert – und plötzlich lief auch mein gewohnter Anti-SPAM-Proxy wieder.

Hach, es sind die kleinen Dinge im Leben, die mich glücklich machen. :-)

GOOGLE: Ein Wochenende ohne die Datenkrake

Der folgende Beitrag enthält persönliche Eindrücke, es ist kein objektiver Test.

Ich hab mir mal den Spaß gemacht, und ein Wochenende ohne die Datenkrake verbracht. Nein, ich meine jetzt nicht, dass ich den Computer ausgelassen hätte, sondern ich hab mal explizit auf sowas wie die Suchmaschine und Google Mail verzichtet…

Was soll ich sagen: Es geht! Tatsächlich, unglaublich!

Gesucht habe ich vom Rechner aus primär mit Live Search. Ich hatte dabei – es ging hier um ein paar programmiertechnische Probleme und ein Telefon, für das ich mich interessiere – nicht das Gefühl, dass mir etwas durch die Lappen ging. Live Search ist um Klassen besser geworden, seit ich es im letzten Jahr mal aus versehen genutzt habe. Vor allem hatte ich das Gefühl, dass mir weniger Werbung bzw. künstlich hochgewertete Sachen untergejubelt worden sind. Ich hab auch jeden Fall alles gefunden, was ich wollte.

Ebenfalls nutzbar ist Hotmail. Ich bin dort bereits seit 1996 Kunde, insofern kenne ich den Dienst schon recht gut, und wusste, worauf ich mich einlasse. Auch hier gilt: Die Alternative ist brauchbar, allerdings muss man ganz klar feststellen, dass Google Mail die deutlich benutzerfreundlichere Oberfläche hat. Das ist speziell dann sehr auffällig, wenn es um das Löschen großer E-Mail-Mengen geht – bei Google Mail kann man einfach filtern, bei Hotmail heißt es klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, klicken, …

Eine Alternative zur Alternative stellt für mich in diesem Kontext Apples Me-Dienst dar. Speziell die Mail-Funktionalitäten sind sehr angenehm und brauchbar umgesetzt, jedoch gibt es nach wie vor wohl Probleme mit der Stabilität (die ich jedoch nicht hatte). Aber, und das ist der größte Nachteil von Me: Es ist Abo-Ware. Man bezahlt fürs Jahr 79,00 EUR. Das wird sicherlich viele potentielle Interessenten abschrecken.

Für mich bleibt nach dem Wochenende festzuhalten: Ich werde mich bewusst um eine alternative Suchmaschine bemühen. Derzeit ist Live Search hier meine erste Wahl. Auch E-Mail-technisch werde ich Alternativen nutzen – Google Mail muss aufgrund des Datenhungers seines Betreibers nicht mehr sein.

Ich versuche also, mich zukünftig so weit als möglich vom Googlenet fern zu halten. Mal sehen, ob und wie es klappt.

GOOGLE: Google Chrome – oder etwa nicht?

Jetzt wird es ernst mit der Welt Datenherrschaft. Google bringt seinen eigenen Browser.

Nö, das ist kein Me-too-Post, keine Sorge.

Kurz die Fakten: Google bringt mit Chrome einen eigenen Browser auf Basis von Webkit heraus. Webkit ist die Engine, die auch unter Apples Safari steckt. Google wird den Browser kostenlos abgeben (klar, was anderes erlaubt der Markt auch nicht) und der Browser wird speziell darauf fokussiert sein, die Einfachheit ins Browsing zurück zu bringen. Daneben hat er dann so tolle Features, wie etwa den Verzicht auf ein dediziertes Suchfeld (muss man auch nicht haben, läuft ohnehin alles über Google), den Verzicht auf die klassische Bookmark-Verwaltung, eine neue JavaScript-Engine und das Google Gears-Framework fest eingebaut.

Klingt gut, speziell wenn man auch das Feature der auf dem Desktop abgelegten Webapplikationen mit hineinrechnet.

Für mich klingt das aber eigentlich überhaupt nicht mehr gut. Ich fasse das mal mit anderen Worten zusammen:

  • Google bringt einen eigenen Browser, damit man anderen Browseranbietern kein Geld mehr für die Integration der Google-Suche bezahlen muss (Mozilla, Apple).
  • Google pusht mit diesem Browser seine eigenen Dienste, speziell auch die bisher total untergegangenen webbasierten Office-Dienste. Die Daten bleiben natürlich bei Google auf dem Server.
  • Google pusht mit diesem Browser sein proprietäres Gears-Framework, mit dessen Hilfe man angeblich auf Technologien wie Flash, Silverlight, u.ä. an vielen Stellen verzichten kann.
  • Google speichert in der Standardeinstellung (die die meisten Benutzer eh nicht verändern werden) alle Suchanfragen und besuchten Webseiten auf seinem Server.

Tut mir leid, aber das klingt grauenvoll. Datenschutz? Konkurrenz? Was ist das? Für mich sieht es so aus: Hier beginnt jemand, seine Marktmacht auszunutzen. Wer einmal angefangen hat, dem Datenkraken seine Daten zu überlassen, wird damit nicht aufhören. Er fördert damit das googlesche Geschäftsmodell der scheinbar freien Software (scheinbar deshalb, weil ja Daten und Informationen abgegeben werden), mit dem andere Firmen einfach nicht mithalten können, wollen sie nicht ebenfalls Datenkraken sein.

Der Google Browser wird seinen Weg machen, genau wie das neue Mobiltelefon-Betriebssystem Android, was genau nach den selben Ideen vorgeht: Scheinbar kostenlose Angebote, um den Preis der persönlichen Daten. Er wird wahrscheinlich in kürzester Zeit eine sehr bedeutende Rolle auf dem Markt spielen, denn neben Google pushen auch verschiedene andere Firmen diesen Ansatz. Er wird aber in letzter Konsequenz zu weniger Vielfalt, weniger Auswahl und mehr Missbrauch von Daten führen, denn die meisten Benutzer überlassen dem Anbieter so viele Informationen, dass dieser alles durch Werbung refinanzieren kann. Wer sich das antun möchte, der soll den Google-Browser installieren. Wer so verblendet von den vielen kostenlosen Goodies ist, mag sie nutzen.

Ich mag meine informelle Selbstbestimmung. Ich werde dieses Stück Software nicht installieren.

An alle anderen: Willkommen im Googlenet. Ihr habt es nicht anders gewollt.