BERLIN: Pro Provinz!
Also, wenn ich mir dieses Bild ansehe, dann bin ich für die Provinz.
Zur Erklärung: In Berlin läuft momentan ein Volksbegehren für den Erhält von Tempelhof (der Luftbrückenflugplatz) als Flugplatz. Initiiert wurde das Begehren von in Tempelhof ansässigen Firmen und der Berliner CDU – der CDU, die es in den neunziger Jahren in Person vom damaligen Verkehrsminister Wissmann zur Bedingung für den neuen Großflughafen BBI gemacht hat, dass Tegel und Tempelhof geschlossen werden sollen.
Argumentiert wird u.a. damit, dass Berlin einen City-Flughafen benötige. Dummes Argument, denn BBI ist keine zehn Kilometer weg. Ebenfalls heißt es, dass Tempelhof ein großer Verkehrsträger sei – 600.000 Geschäftsleute im Jahr seien ja eine wichtige Größe. Doof nur, wenn man sich das auf den Tag runterrechnet – da bleiben weniger als 2.000 meist sehr zahlungskräftige Kunden übrig. Die dann für mehr als 20 Millionen Verlust pro Jahr sorgen. Nicht zu reden vom Lärm, von der Unsicherheit und von der Fläche, die schlichtweg viel sinnvoller genutzt werden könnte.
Nö, für Tempelhof spricht bis auf Clientelwirtschaft überhaupt nix. Es ist ja nicht so, dass das denkmalgeschützte Flughafengebäude abgerissen, oder die Geschichte nicht mehr erzählt werden soll. Oder das etwa ab morgen wieder eine Luftbrücke benötigt werden sollte. Es sollen lediglich nicht mehr Millionen von EUR für Superreiche verschwendet werden.
Wenn man sich darüber hinaus mal anschaut, wer da alles beim Bürgerbegehren(?) mit macht, dann wird die Zielrichtung schon klarer: CDU, FDP, Springer-Presse. Na, klingelts? Genau! Die, die den Flughafen dicht machen wollen, sind die Roten. Und die Schwarz-Braunen Gelben brauchen dringend mal wieder ein Erfolgserlebnis. Deshalb holen die jetzt die Volks- (“Alle Macht geht vom Volke aus” – nur weiß niemand, was das nun genau mit Tempelhof zu tun haben soll) und die Provinzkeule raus.
Macht sich ja sonst so doof, so auf Jahrzehnte in der Opposition, weil man nur den Diepgen Steffel Pflüger hat.
Übrigens, die 100 Gründe, die laut der B.Z. (einer Springer-Zeitung) für Tempelhof sprechen, werden hier sehr lesenswert zerpflückt.
