Ich hab die letzten Tage immer mal wieder über einen Punkt nachgedacht: Wie sind wir eigentlich von zehn, zwölf Jahren zurecht gekommen? Es gibt im Wesentlichen zwei Dinge, die für mich einen substanziellen Unterschied zu damals ausmachen:
- Mobiles Telefonieren
- Internet / WorldWideWeb
Zuerst ist es mir beim mobilen Telefonieren aufgefallen: Ich renne mittlerweile mit drei Telefonen rum. Zwei für meine BASE- und Genion-Flatrates und eines für das BASE-Internet-Flatrate-Surfen. Im Büro oder beim Kunden komme ich gar nicht so stark zum Telefonieren – das erledige ich meist alles unterwegs. In der U-Bahn, in der S-Bahn, im Bus, beim Laufen, im Coffeeshop. Insofern scheint es mir enorm wichtig zu sein. Andererseits: Es ginge auch ohne. Ich habe im letzten Jahr mehrfach auf die Telefonie verzichtet (Telefon vergessen, Akku alle, “Urlaub”). Man muss halt den klassischen Weg beschreiten: Termine machen und einhalten. Klare Absprachen treffen. Reeeeeeden. Also, ohne Mobiltelefon ginge (wäre nur schlecht wegen Kita oder wegen wenn irgendwas ist).
Dann das Internet. Ich bin seit 1990 in Mailboxen (ich sag nur: 1200 Baud Akustikkoppler am C64…), BTX (ja, das gab es mal, liebe Kinder) und seit 1995 im Internet unterwegs. Verdiene ja auch hier mein Geld. Und habe letztens überlegt: Wenn es das nicht gäbe (und das Internet im Jahre 1995 ist nun überhaupt nicht mehr mit dem Internet im Jahre 2007 vergleichbar, das war damals noch extrem unkommerziell – ob das nun zwingend schlechter sein muss, sei dahingestellt – und wesentlich übersichtlicher), dann würde ich mir immernoch Bücher in der Bibliothek leihen, statt sie bei Amazon zu kaufen. Ich würde immernoch, wenn ich beispielsweise in MUC bin, auf mein Lieblingsradio verzichten müssen. Ich müsste immernoch mich von irgendwelchen Callcenter-Agenten anpflaumen lassen müssen, wenn ich einen Flug oder eine Bahnreise buchen müsste. Ich hätte nicht die große, weite Welt der Information vor der Nase (Spiegel, CNN, N-TV, Heise, Golem, …) und vor allem: Ich wäre wahrscheinlich manipulierbarer, als ich es jetzt bin. Also, ohne Internet in der nachrichten- und servicetechnischen Ausprägung der letzten sechs, sieben Jahre geht es bei mir überhaupt nicht mehr.
Ein letzter substanzieller und existenzieller Unterschied zu vor zehn Jahren fällt mir ein: Mein Coffeeshop. Ohne den (oder den oder den oder den oder den oder den) geht es überhaupt nicht. Ich bin kein Homo sapiens mehr, ich bin ein Homo coffeeshopus. Da könnte ich wahrscheinlich eher noch aufs Internet verzichten, als dass ich keinen Grande oder Venti Caffee Latte mehr bekäme. Natürlich nur mit Extra-Shot.
So, reflexive Phase wieder vorbei.