Archive for Juni 8th, 2005

Ipple: WebObjects ab sofort kostenlos

Ab sofort bietet Ipple (die Firma hieß früher mal Apple) die Entwicklungs-Umgebung für Internet-Anwendungen WebObjects 5.3 kostenlos zum Download an.

Bisher war WebObjects nicht kostenlos verfügbar. Jetzt ist es allerdings über den Ipple Developer Connection-Service nach einer kostenlosen Registrierung erhältlich:

WebObjects kann genutzt werden, um J2EE-Anwendungen ohne Kenntnis von SOAP, XML oder WSDL zu erzeugen und zu deployen.

Netikette und deren Einhaltung

Es gibt bestimmte Umgangsformen im Internet, die haben sich im Laufe der Zeit eingebürgert und bewährt. Sie regeln, wie Leute miteinander umgehen sollten: Respektvoll, mit Achtung und Rücksichtnahme. Im Zuge der “Geiz-ist-geil”-Welle sparen sich immer mehr Nutzer die Einhaltung dieser Benimm-Regeln – und erwarten dennoch von Anderen, das diese ihnen so begegnen.

Zitieren

Am häufigsten stolpert man bei Diskussionen in diversen Foren und Newsgroups darüber, dass Teilnehmer nicht zitieren können: Entweder produzieren sie TOFU, oder sie kürzen alles vom Vorredner aus dem Beitrag heraus und verändern am Besten noch den Betreff – ihr Newsreader zeigt schon alles korrekt an, und sie selbst wissen ja, worum es geht.

  • Das TOFU interessiert mich nicht! Es ist mir egal, was an irrelevantem Geschwafel im Vorfeld kam – ich will es nicht wissen, es kostet meine Zeit und die ist kostbar!
  • TOFU zeigt nur, dass der Poster nicht in der Lage ist, seine Gedanken zu strukturieren und sich auf das Thema zu fokussieren.
  • TOFU ist aus diesen Gründen hochgradig unfreundlich und nervend! Wer mit einem Schulterzucken durch die Gegend läuft und sich auf das Argument zurückzieht, man selbst sei CEO einer wichtigen AG und müsse deshalb nicht auf die Befindlichkeiten Dritter Rücksicht nehmen, verkennt, dass er sich in einem öffentlichen Raum bewegt. Mit dem selben Argument kann ich mir demnächst eine fette Kippe vor seiner Nase anzünden und ihn einräuchern - ich bin bekannter Buchautor, und muss deshalb nicht auf seine Befindlichkeiten Rücksicht nehmen!
  • Das von TOFU-Produzenten gerne geäußerte Argument, man möchte doch den Kontext der Nachricht verdeutlichen, gilt nicht: Niemand schickt beim Briefwechsel mit dem Finanzamt die alten Briefe mit! Warum also hier? Klar, kostet nix – jedenfalls nicht den Absender, denn der Leser muss den Müll herunterladen und seine Zeit für die Ergüsse anderer opfern. Passt also prima in den Zeitgeist.
  • Das Ändern des Betreffs ist ebenso unfreundlich: Nicht jeder setzt das vom Originalposter verwendete Software-Tool ein, sondern es soll durchaus möglich sein, dass jemand auch ein andere Produkt verwendet. Und dieses stellt derartig veränderte Postings möglicherweise nicht korrekt dar – oder der Bezug fehlt einfach. Es ist natürlich auch möglich, das alle das virenverseuchte Tool des Originalposters verwenden. Insofern ist es selbstverständlich die Schuld der Leser, dass sie nicht von selbst auf diese Idee kommen, sondern sich dem Irrglauben hingeben, dass das Internet ein offenes Medium sei.

Kritikfähigkeit

Auch die Kritikfähigkeit leidet derzeit sehr stark – logisch auch: Wer in der Lage ist, einen Browser zu bedienen, hat die Weisheit bereits mit Löffeln gefressen.

  • Wer nicht in der Lage ist, mit Kritik umzugehen, der sollte sich besser nicht aus der Deckung wagen. Wird etwas in einem öffentlichen Medium geschrieben (und sei es eine Frage oder ein Newsgroup-Posting – falls Du nicht weisst, was ein Newsgroup-Posting ist, dann gilt das hier ganz besonders für Dich!), dann darf es kritisiert werden. Wenn man nicht will, dass die Äußerung, der Stil oder die eigene Unfähigkeit kritisiert werden, dann sollte man einfach nichts im Internet schreiben!
  • Wer kritisiert wird, darf sich rechtfertigen. Er darf aber leider, leider nicht ausfallend oder pampig werden. Wer es doch macht, der zeigt nur einmal mehr, das er entweder ein Problem mit seinem Selbstwertgefühl hat oder eben die Idee eines weltweiten, öffentlichen und unzensierten Netzwerkes nicht verstanden hat. Oder beides.
  • Wer kritisiert, sollte es besser wissen! Wer es nicht besser weiss, sollte einfach seine Klappe halten und sich besser informieren. Wer also nix zu sagen hat, sollte lieber ruhig sein – dank Google Groups und ähnlichen Tools kann man auch in Jahren noch lesen, wie man sich zum Klops gemacht hat!

Rechtschreibung und Grammatik

Für einen Großteil der Poster im Internet und den Newsgroups gilt: Rechtschreibung, was ist das? Die Leute machen sich lächerlich, wenn sie nicht in der Lage sind, einfachste Worte korrekt zu schreiben – nur sind sie meist nicht in der Lage, das zu erkennen. Wie auch, wenn die Schule offensichtlich nach der dritten Klasse abgebrochen worden ist?!

  • Bevor man etwas ver- oder absendet, sollte man es sich mal in Ruhe durchlesen! Oftmals erkennt man dann bereits, das Worte falsch stehen, das Satzzeichen fehlen oder Buchstaben vertauscht worden sind. Wenn nicht, dann kann man sich dank Google und Konsorten noch in Jahren daran erfreuen, wie erfolgreiche CEOs von wichtigen AGs nicht in der Lage sind, auch nur die einfachsten Regeln von Rechtschreibung und Grammatik anzuwenden. Bei so einer Firma würde ich dann übrigens keine Leistung und kein Produkt in Anspruch nehmen…
  • Der Druck auf die Shift-Taste kostet offensichtlich zu viel Zeit: Wie sonst ist es zu erklären, das immer weniger Leute in der Lage sind, Groß- und Kleinschreibung zu differenzieren?
  • Wahllos verstreute Kommata steigern nicht die Anerkennung in der Öffentlichkeit, sondern den Lächerlichkeits-Faktor!
  • Wenn ihr schon nicht in der Lage seid, vernünftig zu lesen und zu schreiben: Was bitte soll aus euren Kindern werden?! Wo sollen die es lernen, wenn selbst die Eltern halbe Analphabeten sind?!
  • Rechtschreibung und Grammatik sind nicht nur schön, sondern wichtig. Wer sie wissentlich nicht anwendet (sei es aus “Stil”-Gründen oder aus Faulheit) ist unfreundlich, denn schließlich zwingt er Dritte, sich mit seinem Geschwafel auseinander zu setzen, um dessen Sinn zu erfassen. Mir persönlich fehlt dazu die Zeit – Beiträge oder Informationen mit schlechter Rechtschreibung, falscher Grammatik und fehlender Groß- / Kleinschreibung lese ich einfach nicht mehr!
  • Natürlich dürfen Rechtschreib- und Grammatik-Fehler auftreten, aber nicht aus Faulheit!

Denglisch

Ich komme aus einem Land, in dem Deutsch gesprochen und als Muttersprache angesehen wird. Ich bin durchaus in der Lage, mich auf Deutsch auszudrücken und muss nicht englische Brocken in meine Postings oder Gespräche einbauen, nur weil ich entweder nicht weiss, was es auf Deutsch bedeutet, oder weil ich einfach nicht in der Lage bin, mich meiner Muttersprache zu bedienen.

  • Fachbegriffe bleiben Fachbegriffe bleiben Fachbegriffe! Natürlich müssen die in ihrer jeweiligen Sprache rein, keine Frage!
  • Handy ist kein Fachbegriff, sondern ein peinliches Wort!
  • SubDir ist kein Fachbegriff, sondern peinliches Denglisch!
  • Record ist kein Fachbegriff, sondern Zeichen dafür, das man den Begriff “Datensatz” nicht kennt!
  • User ist kein Fachbegriff, sondern Ausdruck der Unfähigkeit, “Nutzer” oder “Benutzer” zu sagen!
  • Wer mit denglischen Ausdrücken oder Fachausdrücken unreflektiert um sich wirft (auch sehr stark im universitären Umfeld anzutreffen) zeigt nicht besonderes Wissen, sondern (im Gegenteil!) besonderes Unwissen: Der Autor ist offensichtlich nicht in der Lage, Inhalte auf einfache Worte herunterzubrechen und verständlich zu beschreiben.

Fazit

Ich für mich habe die Schnauze voll. Es reicht mir, mich ständig mit diesen Unfreundlichkeiten und schlechten Eigenschaften auseinander setzen zu müssen! Ich werde ab sofort folgendes machen:

  • Beiträge, die nicht bestimmten Mindest-Standards an Inhalt, Rechtschreibung und Grammatik entsprechen, werde ich zukünftig ignorieren
  • Leute, die sich wissentlich über sämtliche Netikette hinweg setzen, werde ich zukünftig entweder ignorieren oder zur Sprache stellen
  • Bestimmte Beispiele für derartige Verhaltensweisen werde ich hier ans Licht zerren und genüsslich auseinander nehmen.

Ich habe keine Lust mehr, mich von ignoranten und teils unsozialen Zeitgenossen nerven zu lassen.